Na, der Tag fing gut an. Kurz vor 9 Uhr klingelte das Telefon, Chef dran. Meine Kollegin ist zwar schon seit letzter Woche krank, aber alles deutete auf eine baldige Wiederkehr hin, sie schien schlicht überarbeitet zu sein (kein Wunder, bei dem Pensum). Heute jedoch erhielt Cheffe die Nachricht, daß die Kollegin im Krankenhaus liegt, der Verdacht lautet auf Lymphdrüsenkrebs! Klar, das schockt natürlich erstmal, zumal die ersten Gewebeprobenentnahmen und deren Untersuchungen jetzt erst beginnen. Ich drücke ihr natürlich beide Daumen, dass die Ärzte sich irren.
Weshalb er nun eigentlich anrief, war, daß wir ja nun erst einmal ihre liegengebliebene Arbeit mit übernehmen müssen. Großartig, im Notariat habe ich während meiner Ausbildungszeit und auch später nichts gelernt, auch wenn ich mich Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte nennen kann - Anfang des zweiten Ausbildungsjahres übernahm ich ein komplettes Anwaltssekretariat und war von da an so eingespannt, daß man nur an Berufsschultagen merkte (und auf meinem Gehaltszettel), daß ich noch Azubi war. Daran hatte sich auch später nie etwas geändert, es gab einfach keine Gelegenheit, das Verpasste aufzuholen.
Egal, Chef ist auch nicht unbedingt besser, nun beißen wir uns zusammen durch Testamente, Grundstückskaufverträge, Grundschuldbestellungen und GmbH-Gründungen. Es geht langsam voran, aber immerhin. Und wenn wir absolut nicht weiterwissen, nutzen wir den Telefonjoker: die kranke Kollegin hat ein Telefon am Bett und ist froh, wenn wir sie fragen, statt Fehler über Fehler zu produzieren. Allein heute hat der Chef sie drei Mal anrufen müssen, weil wir nicht weiterkamen.
Schade wäre es nun aber, wenn mein Urlaub im September ins Wasser fallen würde. Immerhin wollte ich drei Wochen dem Büro fernbleiben, weil ich langsam merke, daß ich mir in den letzten Monaten ein bißchen zuviel zugemutet habe - ich kriege wieder Schluckprobleme, das hatte ich schon einmal, so äußert sich bei mir zu großer Streß :-( Auf der anderen Seite will ich aber natürlich auch den Chef und das Büro nicht im Stich lassen. Von daher drücke ich meiner Kollegin doppelt die Daumen, daß sie bald wieder fit ist, denn meine Urlaubsvertretung müßte sie nicht übernehmen, sondern meine zweite Kollegin, so daß ich da kein schlechtes Gewissen haben müßte. Ach, Mensch!
Montag, 25. August 2008
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