Das brauch ich echt nicht öfter, obwohl ich schon länger befürchtete, daß es einmal so weit kommen würde, weil Marcel weder hört noch reagiert, wenn man ruft.... Aber von Anfang an:
Heute morgen schmiß Marcel uns bereits vor sieben Uhr aus dem Bett - nicht so schön an einem Sonntag. Wir frühstückten, trödelten ein bißchen herum und beschlossen dann, da das Wetter recht schön war, zum Flohmarkt zu fahren. Gesagt, getan.
Nach gut einer Stunde hatten wir die Runde geschafft, ein paar Kleinigkeiten mitgenommen und waren nun auf dem Weg Richtung Auto. Ein paar Stände lagen noch vor uns, nichts interessantes, wie wir schon auf dem Hinweg gesehen hatten. Marcel blieb stehen und besah sich Babyspielzeug, das nun wirklich nichts mehr für ihn ist. Männe ging langsam weiter, wir riefen ihn, er reagierte nicht - wir riefen wieder, er reagierte wieder nicht - so ist das halt, wenn er in seiner Welt steckt. Auch ich hatte mich inzwischen mit Saskia ein paar Schritte entfernt, hatte ihn aber immer im Auge.
Dann sah ich kurz auf den Tisch, vor dem wir standen, wandte den Kopf zurück - und Marcel war weg, wie vom Erdboden verschwunden. Keine zwei Sekunden! Ich bin zurück zu dem Ort, wo er zuletzt stand, um den Tisch herum, hinter den Wagen des Anbieters: nichts, kein Marcel! Dann rief ich Männe zu, daß Marcel weg sei. Wir stimmten uns ab, wer in welche Richtung läuft. Ich ging, Saskia an der Hand, zurück auf das Gelände, wo es von Menschen nur so wimmelte. Wir bahnten uns einen Weg durch die Massen, ich sah nach rechts, ich sah nach links, nur was ich nicht sah, das war Marcel. Wie sollten wir ihn hier nur wiederfinden? Rufen hatte keinen Sinn, zum einen war die Geräuschkulisse eh recht hoch und zum anderen würde Marcel sowieso nicht reagieren, wir kennen ihn ja schließlich.
Ich spürte Panik in mir hochsteigen, das Herz klopfte bis in den Hals. Ich zog Saskia weiter, hielt sie ganz fest und bahnte mir den Weg, ging im Bogen zurück zum Ausgangspunkt und sprach noch einmal den Händler an, ob er Marcel gesehen hätte, was er verneinte. Innerlich formulierte ich schon den Anruf bei der Polizei, als mein Handy, das ich bereits in der Hand hielt, klingelte. Männe war dran, er fand Marcel an unserem Wagen, wo er stand und bitterlich weinte, weil er dachte, wir wären ohne ihn gegangen. Er ist den ganzen Weg zum Auto gelaufen, daß war ein ganzes Stück die Straße hoch, ein Gebiet, das wir nur gelegentlich gemeinsam an Sonntagen ablaufen. Diesen Parkplatz nutzten wir erst das zweite Mal, trotzdem fand er das Auto und wartete dort!
Ich hab jetzt noch einen Kloß im Hals und Tränen in den Augen, während ich das hier schreibe. Ich hatte Angst, große Angst, daß meinem kleinen gutgläubigen Jungen, der beherzt jedem Erwachsenen vertraut, etwas zugestoßen sein könnte und wir ihn vielleicht nie wieder sehen. Jetzt liegt er in seinem Bett und schläft und ich muß das hier einfach loswerden, sonst beschäftigt es mich noch für Stunden (das wird es wohl so oder so, aber trotzdem, es muß raus).
Zwei Sekunden! Noch nicht einmal!! Paßt auf Eure Kinder auf, die sind schneller, als man denkt........................