Das ist mir schon öfter aufgefallen und man hört es auch von anderer Seite: Kinder beschweren sich nicht, wenn z.B. die Schuhe zu klein sind und drücken oder wenn sie nicht richtig sehen oder hören.
Vor etwa vier Monaten fiel uns auf, das Saskia schielt. Das war nicht immer so, wir bemerkten es zuerst auf Fotos und dachten, sie hätte mal wieder Grimassen geschnitten, was sie ja gern macht, sobald eine Kamera auf sie gerichtet ist. Also dem Kindelein einmal tief in die Augen geschaut - tatsächlich, das rechte Auge ist schief. Also kam ein Vermerk auf die interne "Beim-nächsten-Mal-den-Kinderarzt-danach-fragen-Liste". Nun stand aber wochenlang kein Arztbesuch an und nur deswegen ... ne, wir gingen nicht nur deswegen hin.
Nun brauchte ich für Marcel ein neues Rezept für die Ergotherapie. Da beide Kinder leicht verschnupft waren, gab ich ihnen freitags Kindergartenfrei und wir setzten uns gemütlich ein paar Stunden ins Wartezimmer des Arztes (findet jemand die Ironie in dem Satz?). Die Besprechung mit dem Kinderarzt dauerte nach weit über zweistündiger Wartezeit keine fünf Minuten, Marcels Therapiefortsetzung war problemlos bewilligt und Saskias Schielen amtlich, wir bekamen eine Überweisung beim Augenarzt mit der Bitte, den Besuch dort nicht auf die lange Bank zu schieben.
Wir also aus der einen Praxis raus und auf der anderen Straßenseite bei dem uns empfohlenen Augenarzt gleich wieder rein, um einen Termin abzustimmen. Tja, wir sollten Ende Dezember wiederkommen, da protestierte ich und verwies auf den Eilvermerk des Kinderarztes. Siehe da - es fand sich doch noch ein Termin sechs Wochen früher.
Dieser Termin war heute. Wartezeiten gab es so gut wie keine, das war schonmal prima. Bei einem Termin mittwochs um 13 Uhr hatte ich das Schlimmste befürchtet, aber die Praxis ist top organisiert, alles lief wie am Schnürchen. Zuerst wurden "Fotos" von ihren Augen gemacht, dann kamen wir zum Arzt hinein, der ihr nicht nur einmal tief in die Augen schaute, mit ihr scherzte und sie prima ablenkte, während er organische Veränderungen wie Tumore und Wucherungen im Auge ausschloß. Klar war, daß sie schielte, um ihre Sehstärke schien es aber auch nicht gut zu stehen. Also ein Zimmer weiter zur Sehschule mit einer Orthoptistin - von diesem Beruf hatte ich vorher auch noch nie gehört.
Auch sie ging wunderbar auf Saskia ein, die ganze Untersuchung und die verschiedenen Sehtests waren kindgerecht und haben Saskia viel Spaß gemacht. Das Schielen wird mit einem Pflaster auf dem gesunden Auge behandelt. Da sie noch nicht zur Schule geht, muß sie das Pflaster fast den ganzen Tag lang tragen, damit das schiefe Auge wieder auf die richtige Spur kommt - nur abends darf sie zwei Stunden lang ohne Pflaster sein, damit das gesunde Auge seinen Job nicht verlernt. Soweit, so gut. Dann fragte sie, ob wir noch etwas Zeit hätten, sie würde auch gern gleich noch die tatsächliche Sehstärke feststellen, dazu müßte Saskia aber erst Augentropfen zur Pupillenerweiterung bekommen.
Klar hatten wir Zeit, also ab ins Wartezimmer mit Spielecke. Dort bekommen die Kinder die Augentropfen verpaßt und können dennoch miteinander und mit dem vorhandenen Spielzeug spielen, bis die Pupillen weit genug sind. Bei Saskia reichte einmal tropfen aus. Also noch einmal Fotos vom Auge schießen, dann zurück in die Sehschule und weitere Tests durchführen.
Erschreckend: auf dem rechten, schielenden Auge beträgt ihre Sehkraft nur 16 Prozent! Sie hat auf der Seite 2,75 Dioptrien, auf der "gesunden" Seite ist auch eine Fehlsichtigkeit mit 1,75 Dioptrien festgestellt worden.
Sie hat nie geklagt, etwas nicht richtig sehen zu können - okay, wie denn auch, wenn sie nicht weiß, wie es "richtig" ist?
Nun bekommt sie zusätzlich zum Pflaster noch eine Brille, um die Sehschärfe zu korrigieren. Wenn wir ganz viel Glück haben, lassen sich beide Defekte wieder ganz beheben, ansonsten bleibt eine Fehlsichtigkeit, so daß sie weiterhin eine Brille tragen müßte. Da wir Eltern beide Brillenträger sind, macht ihr (und mir) das aber keinen Kummer, es wird oder es wird nicht. Ob das Schielen wieder verschwindet? Höchstwahrscheinlich. Um das eventuell sogar noch vor dem Schulstart zu schaffen, bekommt sie die Intensivtherapie mit nur zwei Stunden ohne Pflaster täglich. Das ist zwar viel und wird am Anfang aufgrund der geringen Sehkraft Probleme machen, aber wir wollen unser Bestes geben.
Die Pflaster haben wir schon aus der Apotheke geholt, da gibt es ja die tollsten Motive. Die Brille werden wir am Freitag aussuchen, da haben wir genügend Zeit, um den Optiker nach dem schönsten Modell für die junge Dame zu löchern. Heute wollte ich das noch nicht in Angriff nehmen, da Saskia ja durch die Tropfen eh noch nicht so viel sehen konnte.
Hoffen wir, das alles gut geht und sie weder Probleme mit dem Pflaster an sich bzw. der Fehlsichtigkeit auf dem dann Sehen müssenden Auge bekommt noch mit den anderen Kindern im Kindergarten - dort hat kein Kind derzeit ein Pflaster und in ihrer Gruppe sind nur die Erzieherinnen Brillenträgerinnen, sie wäre das einzige Kind.
Mittwoch, 18. November 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Wünsche viel Erfolg bei der Therapie! Wir haben bisher gute Erfahrungen gemacht, kleben aber auch schon seit 1 1/2 Jahren. Dafür aber nur 4 Std am Tag. Sowohl bei meinem Kindelein als auch ihrer Cousine (beide 4) hat sich die Sehkraft recht schnell gebessert, auch mit knapp 3 und 4 Dioptrin in der Brille.
AntwortenLöschen