Heute fand es nun statt, das lang erwartete Entwicklungsgespräch. Leider mußte ich allein mit Saskia dort antreten, Männe konnte nicht freinehmen (aber wer will schon über Arbeit klagen, es gibt genügend Leute ohne).
Ein Teil des Gespräches lief wie erwartet. Im Lesen und Schreiben ist Saskia ein Ass, da macht ihr keiner was vor. Erstaunlicherweise ist sie auch in Mathe mehr als gut, das sah für mich bei den Hausaufgaben manchmal anders aus. Sie rechnet locker schon im Hunderter-Raum und begreift neue Aufgaben sehr schnell. Kunst ist ihr Ding, die AGs machen offenbar viel Spaß (Theater, Kochen & Backen sowie die Bücherei) und in Sport ist sie auch gut mit dabei. Diese Themen waren also in knapp fünf Minuten abgefrühstückt. Aber dann kam es mal wieder ganz Dicke....
Saskias "Sozialverhalten" sei unter aller Kanone, ließ uns ihre Klassenlehrerin wissen. Ständig entziehe sie sich, mache, was sie wolle und höre nicht auf Lehrer und Betreuer. Dies sei inzwischen so ausgeprägt, daß bereits die Klassenkameraden darunter leiden würden. Wenn Madame etwas nicht wolle, mache sie einfach ihre Ohren zu und ignoriere die Anweisungen bzw. Bitten wie z.B. "Packt bitte Euer Frühstück weg und kommt ins Viereck" (dort wird dann der weitere Tagesablauf besprochen, Geschichten erzählt etc.).
Zudem kneift und kratzt sie Klassenkameraden oder droht diesen und auch Lehrern/Betreuern mit der Faust, in der wohl auch gern einmal eine Schere gehalten wird. Wie schnell könnte da mal was ins Auge gehen?
Was das angeht, bin ich bzw. sind wir bei Saskia echt ratlos. Was sollen und können wir tun? Wie erreichen wir dieses Kind? Sie ist im Gespräch immer verständig und verspricht, in Zukunft zu hören, den Schulhof nicht mehr zu verlassen, sich nicht mehr in irgendeiner Toilette zu verstecken oder oder oder - geschehen tut dies aber nicht. Dann kommt immer ein "Das hab ich vergessen" oder "Das war aber nicht mit Absicht" - inzwischen stellen sich mir schon die Nackenhaare auf, wenn ich einen solchen Satz nur höre!
Mit Saskias Klassenlehrerin bin ich dann so verblieben, daß wir uns einmal nach den Ferien einen Termin beim schulpsychologischen Dienst geben lassen und Saskia auf das eventuelle Vorliegen einer Hochbegabung testen lassen, da ihrer Lehrerin aufgefallen ist, daß Saskia sich offenbar häufiger langweile im Unterricht und sie in vielem ihren Klassenkameraden schon weit voraus ist. Wenn dem so sein sollte, könne sie anders gefördert und gefordert werden und sich damit dann vielleicht/hoffentlich auch diese "Aussetzer" reduzieren bzw. verschwinden.
Mit Saskia habe ich natürlich zu Hause noch darüber gesprochen, was bei diesem zweiten Teil des Gespräches so auf den Tisch kam - immerhin dauerte dieser zweite Teil gute 30 Minuten! Saskia war nicht wirklich zugänglich, auf meine Frage hin, was wir nun tun könnten, fiel ihr natürlich auch nichts ein. Ich schlug ihr dann vor, sie solle sich einfach immer überlegen, was ihre Freundin Conni wohl tun würde und sich dementsprechend verhalten. Ich hatte ja schon einmal bis mehrmals geschrieben, daß Saskia ein großer Fan der Conni-Buchreihe ist. Das schien ihr einzuleuchten. Schlußendlich machten wir einen kleinen Handel ab: sie bemüht sich deutlich um Besserung bzw. stellt dieses "Fehlverhalten" komplett ab. Ich werde nach dem Herbstferien im November noch einmal den Kontakt zu ihrer Klassenlehrerin suchen und nachfragen, ob Saskia dies tatsächlich hinbekommt. Ist dem so, bekommt sie zu Weihnachten das so heiß erwünschte Meerschweinchen, anderenfalls muß dieser Wunsch dieses Jahr unerfüllt bleiben. Sie ist nun motiviert und ich hoffe wirklich, sie schafft es auch!
(Menno! Bei Marcel hätte ich solche Gespräche ja erwartet, aber doch nicht bei unserer Prinzessin *grummel*)
Was können wir noch tun? Vorschläge, anyone???
Montag, 27. Juni 2011
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Ich finde den Zeitraum für die Belohnung sehr unüberschaubar für eine Erstklässlerin. Wie wäre es mit einem Belohnungssystem erstmal über einen Tag, dann über eine Woche und dann über einen Monat.
AntwortenLöschenIch hatte in einer Klasse mal einen sehr schwierigen Jungen. Er hatte eine Tabelle mit Smilies dabei und jede Stunde wurde das Gesicht eben nach Verhalten gestaltet. So hatte die Mutter einen Überblick und der Junge einen Anreiz und konnte sich eben auch über den Tag hinweg selbst besser kontrollieren, weil mit einem Fehler nicht der ganze Tag nichts war sondern eben erst mal eine Stunde.
Dazu muss aber auch die Lehrerin bereit sein.
Bei dem Jungen waren auch wöchentliche Elterngespräche üblich - jeden Freitag ca 10 Minuten über die Woche und das weitere Vorgehen.
Ich hatte das Gefühl, es half dem Jungen sich besser zu kontrollieren.
Das hört sich gut an, ich denke, das tägliche Smiley- und wöchentliche oder monatliche Belohnungssystem könnte man auch hier gut einführen. Dann wäre allerdings noch die Frage, welche Belohnung sich wöchentlich anbieten würde?!
AntwortenLöschenSaskia wußte allerdings, daß der Wunsch nach einem Tier sowieso erst nach den Herbstferien und unserem Urlaub, also frühestens Anfang November, erfüllt werden sollte, da wir als Eltern ja auch noch ein wenig Geld ansparen müssen zur Wunscherfüllung (Himmel, was allein ein vernünftiger Käfig kostet...). Ich halte den Zeitraum daher durchaus für überschaubar, gerade im Hinblick darauf, daß nächste Woche die Sommerferien beginnen und daher eh erst einmal sechs Wochen lang Ruhe herrscht.
Aber wie gesagt, das Belohnungssystem klingt gut, mal sehen, ob ihrer Lehrerin auch beim Punktesystem mitzieht, ich maile sie mal an.
Danke!
Belohnungen die ich kenne sind - Lieblingsessen wünschen, ein (kleiner) Ausflug ins Schwimmbad - eine Spielrunde mit dem Lieblingsspiel usw. eben kleine Extras im Alltag, die gut tun.
AntwortenLöschenIch finde auch, dass sich das wöchentliche Belohnungssystem schlüssig anhört. Aber das Meerschweinchen muss es dann auch noch sein. Ich würde aber auch auf jeden Fall das Gespräch mit dem Psychologen wegen der Hochbegabung führen. Denn, wenn sie sich wirklich langweilt zwischendurch, dann muß sie anders gefördert werden. Ich drück Euch mal die Daumen, dass sich alles aufklärt und es besser wird.
AntwortenLöschenliebe Grüsse
Brigitte