Montag, 5. September 2011

Ach ja, diese Kinder

Wir haben Saskia auf Anregung ihrer Klassenlehrerin hin auf das mögliche Vorliegen einer Hochbegabung testen lassen. Ihre Lehrerin meinte, daß es möglich ist, daß Saskia aufgrund von Unterforderung in der Schule gelegentlich so aggressiv und wütend ist. Da wir eh einen erneuten Termin bei unserer Verhaltenstherapeutin wegen der Vorkommnisse in den Sommerferien (rote Karte bei den Tagen im Grünen = Ferienfreizeit mit Rauswurf und Ausschluß dort) vereinbart hatten, sprach ich diese auch darauf an. Sie meinte, es sei kein Problem von ihr, diesen Test durchzuführen, wir müßten nicht extra den Schulpsychologen dafür aufsuchen.

Vergangene Woche nun erhielten wir die Testergebnisse, nachdem Saskia drei Wochen lang jeden Donnerstag von 18 bis 19 Uhr getestet worden war. Der Test nennt sich den Kindern gegenüber "Rätselkoffer", damit sie locker und unbefangen sind und nicht unter Anspannung stehen, weil sie ja nun getestet werden würden, was ich sehr gut fand.

Saskia ist gottseidank nicht hochbegabt. Sie weist eine überdurchschnittliche Begabung auf, vor allem im Bereich der Logik. Die schlechtesten Ergebnisse, und die liegen ebenfalls noch im Durchschnittsbereich, hatte sie bei der Sprachwahrnehmung, so einfache Fragen wie "Warum tragen alle Polizisten eine Uniform" oder "Was haben rot, gelb und blau gemeinsam?" erschlossen sich ihr nicht bzw. sie konnte (oder wollte) diese nicht benennen. Ich vermute, daß sie vielleicht zu kompliziert dachte und deshalb nicht auf das Naheliegende kam (a: damit sie erkennbar sind und b: es sind Farben) - wer weiß das schon? Beachtlich findet die Therapeutin die Ergebnisse trotzdem, immerhin ist Saskia immer abends ab 18 Uhr getestet worden; vormittags wären die Ergebnisse vielleicht noch besser ausgefallen.

Nun kann die Therapeutin nach Bewilligung der Therapie, die ja erst beantragt werden muß (was sie übernimmt - uff) sich auch auf diese Bereiche konzentrieren. Sie stellte die Vermutung auf, daß Saskia, nachdem sie ja jahrelang nicht richtig hören konnte, nun mit der Geräuschkulisse in der Schule überfordert ist und daher so wütend reagiert, zudem ist sie es noch aus dem Kindergarten gewohnt, sich allein "durchzumuddeln". So war ihre Hauptbeschäftigung im Kindergarten ja auch das Basteln und Malen, sie spielte eher selten mit anderen zusammen. So war es ja auch in der Freizeit - je größer die Gruppe der spielenden Kinder wird, desto mehr kapselt sie sich ab oder wird zickig.

Jetzt muß ich noch mit Saskias Lehrerin sprechen, damit diese auch Bescheid weiß und vielleicht dafür sorgen kann, daß es etwas ruhiger in der Klasse zugeht, gegebenenfalls setzt Saskia doch während lauter Phasen die im Klassenraum stehenden Kopfhörer auf.

Ach, mein kleines großes schlaues Mädchen - wir kriegen auch das hin!

1 Kommentar:

  1. Hallo

    Auch ich habe ein Kind das Jahrelang unter massivem Hörverlust aufgrund von Innenohrinfeltionen gelitten hat. Die Vermutung euerer Therapeutin deckt sich mit meinen Beobachtungen. Mein Kind wird auch schnell aggressiv und flippt aus, wenn zu vieles aus einmal auf ihn einstürmt. Es ist dann sehr leicht reizbar, reizüberflutet, wenn nicht gar völlig überfordert. Wir haben den Eindruck das Kind kann einfach nicht heraus filtern was wichtig ist, bzw. unwichtiges ausblenden. Unser HNO meinte, das würde sich im Laufe der Zeit legen, aber wann das sein wird kann er leider auch nicht abschätzen.

    AntwortenLöschen