Eigentlich hätte morgen der Kindergeburtstag gefeiert werden sollen, Saskia hatte drei Freundinnen eingeladen. Eigentlich...
Leider war Madame wiederholt der Meinung, in der Schule ihre Meinung mit Händen und Füßen durchsetzen zu müssen, statt den Mund aufzumachen. Erst am Montag beschwerte sich eine Klassenkameradin bei mir, Saskia hätte sie nachmittags auf dem Schulhof getreten, weil sie nicht schnell genug die Rutsche runterkam. Natürlich habe ich mit Saskia darüber gesprochen, daß es so nicht gehen würde, es war ja nicht das erste Mal (wenn ich überlege, was Marcel ab und zu einstecken muß... aber er ist auch nicht ohne). Jedenfalls half es alles nichts, es wurde angedroht, daß bei einem weiteren Vorfall dieser Art die Geburtstagsfeier am Samstag ausfallen würde.
Als ich am Mittwoch Nachmittag den Schulhof betrat, wurden die Kinder gerade hereingerufen, um ihre Sachen zusammenzupacken und das Abschiedslied anzustimmen. Ich sah Saskia ins Gebäude laufen und setzte mich auf eine der Bänke, während Marcel spielte. Die Sonne schien, der Tag war schön... Da kam eines der größeren Mädchen wieder herausgelaufen, um den Lehrer hereinzurufen, der die Nachzügler einsammelte: "Mark, kommen Sie bitte, Saskia boxt schon wieder".
Ich habe erst einmal abgewartet, was passieren würde. Männe rief ich eben an, um kurz mit ihm abzustimmen, ob wir bei der Drohung bleiben würden - ja, wir ziehen an einem Strang. Als Saskia herauskam, blieb ich ruhig sitzen, rief sie zu mir und ließ mir vom Tag berichten. Viel erzählt sie eh nie, also sprach ich sie darauf an, was eben in der Betreuung vorgefallen wäre. Sie gab direkt zu, daß sie zwei andere Mädchen geboxt hätte, da diese sie "gestört" hätten, sie hätte ihre Ruhe haben wollen. Auf meine Nachfrage, ob sie die Mädchen denn gebeten hätte, woanders zu spielen, antwortete sie mit Nein. Also sagte ich ihr nur, daß damit dann klar wäre, daß die Geburtstagsfeier ausfallen würde.
Oh, da schossen ihr die Tränen nur so aus den Augen, das Geheule war natürlich groß. Ich nahm sie also in den Arm und erklärte ihr noch einmal, daß wir nicht wollen, daß sie andere Kinder schlägt oder tritt und wie sie sich stattdessen verhalten könnte. Dennoch blieb ich dabei, die Feier fällt aus. Nachdem sie sich wieder beruhigt hatte, schickte ich sie noch ein wenig zum Spielen, das Wetter war einfach zu schön, um nach Hause zu gehen.
Ich rief dann meine Freundin an und erzählte ihr, daß die Feier nicht stattfinden würde, sie aber ihre Tochter, die ja bei uns auch übernachten sollte, dennoch vorbeibringen könne. Wir einigten uns darauf, daß Lina später hergebracht wird, damit die Trennung von Feier und Übernachtung auch dadurch deutlich wird. Unsere Gründe für die Absage konnte sie voll und ganz nachvollziehen.
Männe rief bei seinem besten Freund an, um ihm Bescheid zu geben. Auch dort: vollstes Verständnis.
Abends dann erreichte ich noch die Mutter von Saskias Klassenkameradin. Wann wir denn die Feier nachholen würden, war die Frage. ??? Ich sagte, daß die Feier komplett ausfalle, wo wäre denn der Lerneffekt, wenn wir alles nur um ein oder zwei Wochen verschieben würden? Sie meinte, genau wie ihr Mann am nächsten Morgen auch, daß wir zu hart reagieren würden. Ich denke, daß das nicht so ist. Saskia ist oft genug gewarnt worden. Über andere Strafen lacht sie doch nur - Fernsehverbot zum Beispiel? "Ich wollte sowieso nicht fernsehen heute/diese Woche" - Hausarrest? - Wer wird denn dabei bestraft? Saskia bestimmt nicht, das Kinderzimmer ist voll mit interessanten Dingen - Spielzeug wegnehmen? - wo fängt man da an, es ist doch jeden Tag was anderes interessant? - und geschlagen wird hier nicht (ich erinnere mich noch, als Kind hätte man mir den Hintern versohlt - wir habens alle er- und überlebt, der Lerneffekt war auch nicht der Größte, man ließ sich einfach nicht mehr erwischen bei dem, was man anstellte).
Was wären denn sonst noch Strafen, die bei einer zickigen Siebenjährigen etwas bewirken? Etwas ratlos sind wir schon....
Freitag, 24. September 2010
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Puh, ich finde es gut, dass ihr das durchgezogen habt. Ich bin mit meiner Sechsjährigen auch manchmal am Rande der Verzweiflung. Zwar tritt und boxt sie nicht, aber sie tickt manchmal regelrecht aus, wenn es nicht nach ihrem Kopf geht. Um sie dann irgendwie noch zu erreichen, hilft nur schreien und das hasse ich.
AntwortenLöschenMir fallen auch nicht immer sinnvolle Konsequenzen ein.